O Gott, ich könnte in eine Nußschale eingesperrt sein und mich für einen König von unermeßlichem Gebiete halten,
wenn nur meine bösen Träume nicht wären.

Freitag, 25. April 2014

Sterben

Eines Tages stand Justus vor den Trümmern seines Lebens.

Immer öfter ertappte er sich dabei seinen Tod zu planen.

Er suchte die Orte auf, an denen er immer gerne gewesen war und nahm wehmütig Abschied.

Stundenlang lag er zusammengekauert auf seinem Bett und überlegte sich eine angemessene Methode zu sterben.

Es müsste spektakulär sein, sollte aber auf keinen Fall wehtun.

Ein Sprung vom Hochhaus wäre ganz bestimmt atemberaubend, aber konnte er ganz sicher sein, im Moment des Aufpralls nicht alle Schmerzen des Universums zu verspüren?

Nein, konnte er nicht und deshalb wurde die Hochhaus-Idee erstmal beiseite geschoben, wenn auch noch nicht gänzlich verworfen.

Erhängen?

Auf gar keinen Fall.

Erschießen?

Abgesehen von den Problemen eine Waffe zu besorgen ist sowas auch nie wirklich sicher.

Medikamente...?

Einfach in seinem Bett einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen hatte den Vorteil, dass es vermutlich sehr human und schmerzlos wäre.

Aber irgendwas störte ihn doch bei dem Gedanken, dass es vielleicht wochenlang dauern würde, bis man ihn fand und er mittlerweile aufgedunsen wie ein Ballon wäre und stinken würde wie ein Zombie.

"Gar nicht mal so einfach..." dachte er und amüsierte sich eine Weile mit der Vorstellung, eine Handvoll Viagra zu schlucken und dann solange zu poppen bis er einen Herzkasper bekäme.

Eines Tages lernte er in einer Kneipe eine mehr als finstere Person kennen.

Justus trank mehr Bier als er vertrug und kam irgendwann auf sein Problem zu sprechen.

Sein Gegenüber hörte aufmerksam zu und als Justus geendet hatte, räusperte er sich, dachte kurz nach, räusperte sich nochmal und hatte tatsächlich einen Plan.

"Weisst du was du brauchst? Einen Auftragskiller, einen Profi, der dich irgendwann, ohne dass du weisst, wann es passieren wird, mit einem gezielten Schuss sauber und sicher ins Jenseits befördern wird. Du müsstest keine Angst haben, dass etwas schief gehen könnte, denn solche Leute verstehen ihr Handwerk, du müsstest dir über einen passenden Zeitpunkt keine Gedanken mehr machen. Verstehst du was ich meine?"

Justus nickte.

"Was würde sowas denn kosten?"

Der Fremde nannte seinen Preis und Justus fand es erheblich preiswerter als er geglaubt hatte.

"Soviel habe ich auf meinem Konto. Wenn du kurz warten würdest..."

Eine halbe Stunde später war der Deal perfekt und Justus, überzeugt das Richtige getan zu haben, füllte sich zur Feier des Tages bis zur Halskrause ab.

Komischerweise ging es ihm von da an besser. Die Last der Entscheidung und der Durchführung war ihm abgenommen und Justus bekam beinahe so etwas wie Lebensfreude zurück.

Anfangs fragte er sich noch manchmal, wann es wohl passieren würde, doch nach und nach rückte die Frage immer mehr in den Hintergrund und schließlich war Justus überzeugt, der Fremde hätte sich nur einen bösen Scherz mit ihm erlaubt und ihn um ein paar Tausender geprellt.

Aber sein neues Lebensgefühl war ihm das Geld wert und er sagte sich, dass er vermutlich schon tot wäre, wenn dieser seltsame Fremde ihn nicht vom Selbstmord abgehalten hätte.

Und was Justus nie für möglich gehalten hätte, ein paar Monate nach diesem Kneipengespräch lernte er eine Frau kennen, er verliebte sich und dann kam der Moment, als sie ihm mit geschlossenen Augen ihre Lippen entgegen hielt.

Justus schloss ebenfalls die Augen, und so sah er nicht, dass sich der kleine rote Punkt einer Laserzieleinrichtung über seinen Oberarm bewegte um schließlich an seiner Schläfe zu stoppen.

Es gab ein leises Geräusch, als das Geschoss die Fensterscheibe durchschlug und als sich eine Sekunde später ihre Lippen berührten, war Justus schon so tot wie ein Delfin in einer Thunfischdose.

Kommentare:

Bluh nah hat gesagt…

dumm gelaufen :-(

Buckaroo Banzai hat gesagt…

Und genau so muss es sein...

Alles nur kein Happy End. ;-)

Botin In der Früh hat gesagt…

Man soll gehen, wenn es am schönsten wird ;o)